Von Rädern, dem Internet und jeder Menge Lesestoff.

Eine Sache, für die ich das Internet liebe, ist der Umstand, daß es immer wieder den Beweis für folgenden Fakt antritt: Egal, wie schräg oder ungewöhnlich das Problem oder das Thema, mit dem man sich gerade beschäftigt, auch sein mag, es gibt da draußen jede Menge Leute, denen genau dieselben Dinge wichtig sind und die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Man muß das Rad also nicht neu erfinden – vorausgesetzt, man weiß, wonach man suchen muß.

Die Internetrecherche, die ich kürzlich durchgeführt habe, brachte daher auch viele Projekte zutage, die die „Und tschüss“-Aktion von Meike Winnemuth aufgegriffen und/oder variiert haben. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien im Folgenden einige davon aufgeführt:

Ina hat das Projekt mit einem ganz bestimmten Ziel gestartet:

Ina möchte in mittlerer Zukunft für einige Monate in Japan leben. Eine Wohnung lässt sich jedoch schlecht auf Zeit untervermieten, wenn sich darin ein Kleiderschrank voll ungetragener Kleidung, fünf Bürolocher, ungenutzte Elekrogeräte, gut gemeinte und mittlerweile zu viele Kosmetik-Pröbchen, eine Kollektion gebrauchter Mobitelefone, drei Woks, Muscheln aus acht Ländern, DDR-Reiseführer, unidentifizierbare Schlüssel, sprechende Frösche, ungehörte CDs, Makramée aus Elektroleitungen und der ganze Rest befindet, den ein moderner Mensch irrtümlicherweise für unverzichtbar hält.

Karin Friedli hat die 365 Tage bereits hinter sich und berichtete darüber, was sie in diesem Jahr gelernt hat:

Mich zu trennen von Dingen. Und bewusster einzukaufen. Ich habe wirklich ein Faible für Krimskrams und für schöne Dinge, und jetzt stehe ich oft irgendwo mit so einem muss-ich-haben-Ding und denke: «In sechs Wochen steht es im Blog, also kann ich es auch gleich hier lassen». Das war wirklich ganz heilsam, auch wenn ich natürlich nicht vollkommen geheilt bin.

DrNI hat das Projekt zwar nicht selbst durchgeführt, aber ein paar durchaus berechtigte kritische Gedanken dazu festgehalten und eine interessante Auflistung erstellt:

Das kleine Blaue ist ein Projekt, das eben nicht den Konsumverzicht predigt. Es möchte wohl eher fragen: Was brauchen wir wirklich – was brauche ich wirklich? Und letztendlich findet es ob absichtlich oder nicht die Antwort, dass für Meike Winnemuth Kleidung doch enorm wichtig ist. […] Am Tag 350 des Projekts reitet es den Computerlinguisten in mir: Ich lade alle Seiten der letzten 350 Tage herunter, kippe sie durch ein paar Scripts und korrigiere das von Hand raus, was offensichtlich kein Kleidungsstück ist oder bei dem Hersteller bzw. Bezugsquelle beinahe-identisch sind (Vertipper, Ergänzungen, etc). Um die 320 verschiedene Kleidungsstücke, Schuhe und Accessoires hatte die Dame also um das kleine Blaue bisher drapiert. Darunter 21 verschiedene Gürtel, 14 verschiedene Tücher, 12 verschiedene Schals, 11 verschiedene Röcke, 8 verschiedene Jacken. Bei Schuhen wird es schwieriger, da da auch noch Stiefel, Sandalen und weitere Gattungen dabei sind. Es sind viele. Dazu kommt noch, aber das wissen wir ja bereits: 3× das gleiche kleine blaue Kleid. Nun fühle ich mich sowohl mit meinem Kleiderschrank als auch mit meinem in mein Wohnzimmer eingebauten Tonstudio auf einmal unbeschwert leicht und nahezu besitzlos.

Colleen wiederum ersorgt einen auf ihrer umfassenden Internetplattform mit Guides rund um das Thema Entrümpeln und hat nach ihren 365 Tagen eine überzeugende Statistik aufgestellt:

67    Thrown away (some were recycled)

237  Donated or given away

58    Sold on eBay at a total of $1533.65

3      Use It Up

365  Total items

Bei Dave Bruno findet sich eine abgewandelte Form des oben genannten Vorhabens, das sich zwar auf 100 statt auf 365 Gegenstände konzentriert, allerdings wird beim Lesen schnell klar, daß diese Zahl eher symbolisch zu sehen ist. Der Autor setzt das Vorhaben in einen deutlich generalisierteren Kontext als die zuvor erwähnten Damen und möchte damit gegen das amerikanisch geprägte Konsumverhalten angehen. Er beschreibt seinen Ansatz wie folgt:

The goal of the 100 Thing Challenge is to break free from the confining habits of American-style consumerism. A lot of people around the world feel “stuck in stuff.” They feel like their closets and garages are too full of things that don’t really make their lives much better. But how to get unstuck?

Reduce (get rid of some of your stuff)

Refuse (to get more new stuff)

Rejigger (your priorities)

Ihn findet man auch auf Facebook, wie auch Das kleine Blaue und weitere interessante Gruppen, die in den Dunstkreis dieses Themas gehören (so z.B. Minimalismus für eine gute Sammlung von Projekten und Givebox als Möglichkeit, die aussortierten Dinge auch loszuwerden).

Falls ihr noch andere tolle Projekte kennt, würde ich mich über entsprechende Links freuen.  Ansonsten wünsche ich euch erst einmal viel Spaß beim Lesen 🙂

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2 Antworten zu “Von Rädern, dem Internet und jeder Menge Lesestoff.

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