Der Kauf-Nix-Tag

Der Kauf-Nix-Tag, der auf den amerikanischen Buy-nothing-day zurückgeht, findet alljährlich am letzten Samstag im November statt (in den USA stattdessen am Black Friday, an dem üblicherweise der Weihnachtsverkauf ins Rollen kommt). Mit dem Aufruf, an diesem Tag nichts zu kaufen (d.h. auch keine Lebensmittel, kein Benzin und keine Kinokarten), möchten die Initiatoren (in Deutschland u.a. Attac) einerseits zum Überdenken des eigenen Konsumverhaltens und dessen weltweite Auswirkungen anregen und andererseits gegen unmenschliche Bedingungen im Herstellungsprozess der Konsumgüterindustrie protestieren.

Gerade in der Vorweihnachtszeit nimmt der Konsum jedes Jahr wieder ungeahnte Ausmaße an, was verstopfte Innenstädte und Rekordeinnahmen in den Kassen des Einzelhandels eindrucksvoll dokumentieren. Und manch einer stellt auch in anderen Jahreszeiten fest: Früher ging man einkaufen, weil man etwas brauchte – heute, um zu gucken, ob man etwas braucht (Quelle: ZDF Mediathek). Zusammen mit der Erkenntnis, daß billigere Produkte meistens doch nicht dasselbe leisten können wie hochwertige Qualitätsware, könnte der Kauf-Nix-Tag einen Beitrag zum Trend eines verminderten, qualitätsbewußteren und nachhaltigeren Konsums leisten.

Jedoch werden auch kritische Stimmen laut. So wird unter anderem moniert, daß ein Einkauf in den meisten Fällen eben nur auf einen späteren Zeitpunkt aufgeschoben wird, so daß der Einfluß des Tages ähnlich wie der von Tankstellenboykotts gering bleibt. Außerdem schade ein solcher Konsumverzicht der Wirtschaft – würde jeder nur das kaufen, was er wirklich braucht, würde das komplette System zusammenbrechen. Die Initiatoren halten diesem Argument entgegen, daß unterm Strich nicht weniger Geld ausgegeben, dieses jedoch nur bewußter und nachhaltiger investiert werden solle. Eine solche „Qualität statt Quantität“-Wandlung der Käufermentalität zieht aber in der Tat andere Anforderungen an die Märkte nach sich.

Letzten Endes sei auch der Zeitpunkt schlecht gewählt, da die Menschen ja trotz des Konsumverzichts an diesem Tag Weihnachten feiern und ihre Lieben beschenken wollen. Alexander von Keyserlingk schlägt daher die Einführung der „Kauf-Besser-Wochen“ vor:

“Kauft nur in inhabergeführten Läden, nur Dinge von Qualität. Dinge, von denen Ihr die Herkunft erkennen könnt, die Euch wirklich überzeugen. Dinge, auf die man stolz sein kann. Genau so wie auf die Läden, in denen sie zu haben sind, weil sie individuelle Qualität bieten und wo das Einkaufen einfach mehr Spass macht. Dieses Modell ist nicht so schwierig und vor allem realitätsnaher als völliger Verzicht. Und es ist neudeutsch und neuzeitlich ,win-win‘ statt ,no-go‘.”

Wer sich in diesem Tag am Kauf-Nix-Tag beteiligen will, an dem wieder Aktionen in vielen deutschen Großstädten geplant sind, kann sich schon einmal den 24.11.2012 im Kalender anstreichen und/oder sich bei Facebook auf dem Laufenden halten.

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4 Antworten zu “Der Kauf-Nix-Tag

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