Gelernt: You are not your stuff.

Jeder, der sein Leben entrümpelt, kommt früher oder später an den schmerzhaften Punkt, an dem es einem förmlich wehzutun scheint, Dinge aus dem eigenen Leben ziehen zu lassen. Das alte, ausgewaschene T-Shirt, das einen durch die erste Beziehung begleitet hat. Die vergilbten Briefe von Freunden aus längst vergangenen Tagen. Die eingestaubte Gitarre, die in jedem Sommercamp dabei war und noch ein bisschen nach Sonne und Lagerfeuer riecht.

In vielen Fällen ist das total ok. Erinnerungsstücke katapultieren uns schlagartig zurück in (optimalerweise) gute, vergangene Zeiten und zeigen uns damit, wer bzw. was wir sein wollen und womit wir unsere Zeit verbringen wollen. Aber wenn der Erinnerungswust überhand nimmt oder wir uns vielleicht sogar eher an die schlechten Momente in unserem Leben erinnert fühlen, ist es Zeit, die Reißleine zu ziehen. Und sich zu verdeutlichen: Wir sind nicht das, was wir geworden sind, aufgrund unserer Besitztümer, sondern als Resultat unserer Erfahrungen und Erlebnisse – und die Erinnerung daran. Nichts davon wird weniger oder weniger wertvoll werden, wenn wir die zugehörigen Gegenstände ziehen lassen, weil wir nicht gleichzeitig unsere Vergangenheit auslöschen.

Was schon eine Weile unterbewusst durch meine Gedanken spukte, habe ich heute hier noch mal wunderbar auf den Punkt gebracht wiedergefunden. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen beim Loslassen, Abschließen und Neuaufbrechen.

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5 Antworten zu “Gelernt: You are not your stuff.

  1. Aber es ist doch so, dass gewisse Gegenstände uns das Erinnern leichter machen. Das nennen wir dann den ideellen Wert. Ich finde das einen wichtigen Wert der Gegenstände, viel wichtiger als den materielle Wert.

    Allerdings kann der ideelle Wert auch verblassen. Wenn man sich eben nicht mehr beim Anblick des Gegenstands an etwas Besonderes erinnert. Dann kann man sich getrost überlegen, ob man das entsprechende Teil wirklich noch braucht.

    Aber manchmal ist es auch einfach: Gegenstände unliebsamer Erinnerungen kann man getrost entsorgen. 🙂

    • Da stimme ich dir in allen Punkten zu. Manchmal reicht es ja auch, die Erinnerungsstützen zu reduzieren, z.B. nur ein Heft der früheren Lieblingszeitschrift anstatt aller Jahrgänge. Und die unliebsamen Erinnerungen zu entsorgen ist mir auch am liebsten 😉

  2. Super Beitrag. Und trotzdem bereitet mir jedes T-Shirt (und ist es noch so alt) fast körperliche Schmerzen, will ich es in den Müll werfen. Klamotten sind schwer wieder los zu werden.

    • Mir fallen die auch mit Abstand am schwersten. Aber die freie Fläche und die Luft, die man hinterher hat, tut einfach SO gut und macht alles wieder wett.

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