Der Zeigarnik-Effekt oder Minimalismus im Kopf

IMG_3954

Je mehr man sich mit den Bereichen Minimalismus, Nachhaltigkeit und Konsum beschäftigt, umso mehr gelangt man irgendwann auch zu theoretische Ebenen, die sich mit zugrundeliegenden Mechanismen dieser Themen beschäftigen.Ich finde solche „Meine Gedankengänge haben einen Namen!“-Momente sehr bereichernd und freue mich daher immer über Input – falls ihr also gute Quellen kennt, lasst es mich wissen 🙂

Ich selbst habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema Entrümpeln im Kopf beschäftigt – und wer einmal damit angefangen hat, weiß, dass das mindestens genauso gut tut wie ein aufgeräumter Kleiderschrank. Das Ziel des Ganzen ist für mich das gleiche wie bei physischem Ballast: das Unwichtige loswerden und Wege finden, das Wichtige besser nutzen und umsetzen zu können. Angefangen hat es in meinem Fall mit dem Prinzip von Getting things done: statt sich mit 154 durchs Hirn schießenden Ideen rumzuschlagen und permanent Angst zu haben, einen wichtigen Gedanken zu vergessen, wird einfach alles schriftlich fixiert. Das Hirn hat Ruhe, weil es sich aktuell nicht mehr mit dem Inhalt der Notiz beschäftigen muss, aber weiß, dass er irgendwo festgehalten ist und nicht vergessen wird.

Woher diese „Angst vor dem Vergessen“ kommt, haben 2 russische Psychologinnen vor knapp 90 Jahren erforscht. Der Zeigarnik-Effekt (benannt nach Bljuma Wulfowna Seigarnik, die ihn 1927 entdeckte) besagt, dass sich das menschliche Gehirn besser an nichtabgeschlossene als an abgeschlossene Aufgaben erinnert. Ein Jahr später beschrieb Maria Ovsiankina durch den nach ihr benannten Ovsiankina-Effekt, dass bei begonnenen Handlungen, die nicht abgeschlossen wurden, eine deutliche Tendenz dazu besteht, die Aufgabe wieder aufzunehmen. Sogar ohne konkreten Anreiz entsteht allein durch das unerreichte Handlungsziel ein „Quasi-Bedürfnis“, die Aufgabe abzuschließen. Sheldon ist sicher ein Extrembeispiel dafür, aber auch ich ertappe mich im Alltag immer wieder dabei, Dinge „vervollständigen“ zu wollen, auch wenn das bei näherem Hinsehen vielleicht gar nicht wichtig ist. Und ganz ehrlich: das letzte fehlende Bild im Sammelalbum nagt doch immer ein bisschen an einem, oder? Wie sich dieses Wissen in praktisches Handeln umsetzen lässt, wird hier beschrieben (inkl. einer zugegebenermaßen sehr kleinen, aber auch sehr informativen Übersicht über die wesentlichen Auszüge aus Zeigarniks Werk – Strg und + hilft :)).

Dieses Wissen hilft, unsere Handlungen etwas besser zu verstehen, Getting things done hilft, unsere Aktivität zu kanalisieren – aber das Wichtigste ist letzten Endes immer noch, dann auch tatsächlich zu handeln und das, was uns wirklich wichtig ist, umzusetzen. Eins der Lieblingsstichworte von Psychologen ist in diesem Zusammenhang derzeit die Selbstwirksamkeitserwartung – ich weiß, dass ich etwas kann (auch, wenn die Umstände widrig sind), also wird es mir auch viel besser gelingen, wenn ich es angehe. Sind dann noch clevere Volitionsstrategien vorhanden (d.h. Ideen, wie man seine Motivation auch in zielgerichtetes Handeln überführt), kann in Sachen Verhaltensänderung eigentlich nicht mehr viel schiefgehen – oder man fängt einfach an, bevor man startklar ist (gerade letzterer Blog ist übrigens unglaublich informativ und hilft, die eigenen Handlungsmuster zu hinterfragen. Der Autor ist außerdem auch ein Freund des Minimalismus, was sein Layout und seine Handlungsempfehlungen angeht).

Los gehts! 🙂

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s