New is always better. Oder doch nicht?

5rulesofhappiness

Durch die ganzen Minimalismus-Ansätze (collect moments, not things | es geht um die Menschen, nicht das Materielle | Besitz reduzieren, Erlebnisse intensivieren), meine grundsätzlich reichlich vorhandene Neugier und das „Jede Woche etwas Neues ausprobieren“-Projekt war ich in letzter Zeit sehr umtriebig und habe viel gesehen, gemacht und ausprobiert (Spitzenreiter war sicher die Zeit, in der ich innerhalb einer Woche Paintball gespielt, beim Pferderennen gewettet und nachts 7 Museen besichtigt habe – inkl. eines A-capella-Konzerts und einer Würgeschlange auf dem Arm). Die allermeisten dieser Dinge waren spannend, bereichernd und neu, dennoch hat mich die Entwicklung, die aus einem solchen Lebensstil, der ja mehr oder weniger dem aktuellen Zeitgeist entspricht, resultiert, nachdenklich gemacht.

Oder wie Tim von MyMONK schreibt:

Wir verlangen immer mehr vom Leben: […] eine Freizeit so abenteuerlich, dass Indiana Jones aussieht wie ein bleicher Stubenhocker, der den ganzen Tag vorm Rechner sitzt und an sich selbst herumspielt

Was macht das mit uns, wenn wir immer nur nach dem Neusten, Abenteuerlichsten und Ungewöhnlichsten streben?

Neulich war ich in meiner Heimatstadt (200.000 Einwohner und nicht gerade als hip verschrien) in der Stadtbibliothek, in der 14tägig ortsansässige Musiker auftreten und man bei einem Getränk in einem Ambiente, das eher einer 90ies-Sitcom als einer angesagten Bar gerecht wird, solider alter Jazzmusik lauschen kann. Es war dank der Musik und der entstehenden Gespräche ein sehr schöner Abend, aber ich musste noch währenddessen denken: Wären wir jetzt in einer Großstadt, wäre das hier bei weitem nicht fancy/hip/ausgefallen genug, um auch den verwöhnten Großstädter von seinem Designersofa zu locken. Ich selbst hätte mich im Zweifelsfall wohl auch eher für den Singer/Songwriter von den Faröer Inseln oder die tanzende tahitianische Katze entschieden – was schade ist, weil dadurch wirklich gute Künstler zu Unrecht ins Abseits geraten.

Und wie oft kommt man stattdessen aus einer „ungewöhnlichen Neuinterpretation eines Klassikers“ und fragt sich, wieso auf der Bühne eigentlich nackt getanzt, gekotzt und onaniert werden muss…

Was ich damit eigentlich sagen will: nur, weil etwas neu ist, ist es nicht zwingend besser. Die Welt ist voller toller Dinge, die man definitiv ausprobieren sollte. Aber dazwischen ist es genauso toll, zum traditionellen Osterfeuer im Heimatort zu gehen, Spaß mit den Freunden zu haben, die noch genauso nerdig sind wie zu Schulzeiten und sich zum 1000. Mal Omas Apfelkuchen schmecken zu lassen.

Habt eine schöne Woche! 🙂

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2 Antworten zu “New is always better. Oder doch nicht?

  1. Vielleicht ist es eben wie beim Konsum auch: Man sollte herausfinden, was man wirklich braucht. Schnell stellt man fest, dass vieles von dem was man hat eben einfach gut ist. So braucht man eben auch bei den Erlebnissen nicht laufend etwas neues, einzig aus dem Grund, dass es neu ist.

  2. Pingback: Woche 14 – Unsere Netzhighlights | Apfelmädchen & sadfsh·

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