Äußerlichkeiten.

Ich war nie jemand, der übermäßig viel darüber nachgedacht hat, ob das, was er an Kleidung, Lebensmitteln und sonstigen Produkten konsumiert, nun besonders nachhaltig, fair oder ökologisch produziert wurde. Doch neulich wurde es tatsächlich mal wieder Zeit für ein paar Neuanschaffungen, und mir wurde bewusst: einfach so zu H&M reingehen und ein T-Shirt für 4,95 kaufen, das geht irgendwie nicht mehr. Dazu hatte ich inzwischen zu viele Dokus über Produktionsbedingungen, Müllberge und nachhaltiges Leben gesehen. Ganz stringent würde ich es bestimmt trotzdem nicht durchziehen können, aber der Wunsch, etwas bewusster einzukaufen, wenn es denn sein muss, war zumindest da.

Umso zufriedener war ich, als mir dann auch tatsächlich Marken mit „Gut fürs Gewissen“-Faktor über den Weg liefen. Wie gesagt- es geht sicher immer noch irgendwie besser, aber es ist ein Anfang. So führte mich z.B. die Suche nach einer wirklich warmen Mütze zu den Machern von Zebratod. Sie schreiben über sich:

Die eine Hälfte der Kollektion – die sehr grobmaschigen Modelle – werden von fleißigen Strickmadames in Deutschland gestrickt.
Besonders schätzen wir einen reichen Erfahrungsschatz, weshalb hauptsächlich ältere Damen diese Modelle für uns anfertigen. Sie stricken die verschiedenen Grobstrick-Teile mit großer Sorgfalt in Handarbeit von zuhause aus.  Für die andere Hälfte der Kollektion – die maschinell gefertigten Modelle – arbeiten wir mit kleinen Strickereien in Polen und Deutschland zusammen. Ihren finalen Feinschliff bekommen alle Teile jedoch eigenhändig von uns in Hamburg. In jeder Mütze und jedem Schal stecken sowohl von der Designerin als auch von den Strickerinnen viel Zeit, Mühe und Hingabe.

Klingt ja erst mal sympathisch. Als Bonus gibts noch eine Portion Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein:

Im Moment sind wir dabei, unsere Kollektion auf eine nachhaltige Merinowolle umzustellen. So bieten wir für die Wintersaison 2012/13 den Großteil der Kollektion schon aus einem Merinogarn an, das unter strengen Umweltauflagen hergestellt wird und mit dem Bluesign-ZertifIkat
ausgezeichnet ist. Die Rohwolle stammt von speziell ausgewählten Farmen in Südafrika, wo bei der Schafzucht gänzlich auf Mulesing verzichtet wird. Sämtliche Arbeitsgänge bei der Garngewinnung sind überwacht und entsprechen den Bluesign-Standards, so ist der Wasserverbrauch beispielsweise wesentlich geringer als bei der konventionellen Herstellung. Das Garn ist zudem chlorfrei ausgerüstet.

Außerdem entdeckte ich im Hamburger Onon-Store das Label Eureka Culture Vintage, deren Taschen und Kleidungsstücke durch das Recyceln hochwertiger Vintage-Kleidung entstehen. In meinem Fall entstand vermutlich aus einem Lederblouson, 3 Ledergürteln und einem robustem Leinenstoff eine strapazierfähige Tasche, die mich vermutlich trotz des sichtbaren Alters des Materials und der Anforderungen meines Alltags (Taschen müssen bei mir eine Menge aushalten ;)) noch lange begleiten wird. Und das Ganze in Verbindung mit einem neuen Verwendungszweck für ungenutztes Leder – wunderbar!

Apropos Materialien: mit großem Interesse las ich kürzlich den Artikel „Technologie? Aber natürlich!“ (Brigitte 20/2013), der neue Fasern für Kleidung vorstellte. Genannt wurden:

  • Tyvek: antiallergene, zu 100% recycelbare Polyethylenfasern, die ursprünglich von DuPont für Schutzkleidung und medizinische Verpackungen entwickelt wurden und inzwischen u.a. vom Label Luxaa für Kleidung eingesetzt werden. Die Stücke können nach ihrer Lebensdauer zurückgegeben werden und werden wieder dem Recycling-Kreislauf zugeführt.
  • Milchfasern: besonders gut geeignet für Allergiker, weich, seidig, antibakteriell und hergestellt aus dem Teil der Milch, der aufgrund der strengen Vorschriften im Lebensmittelbereich nicht für den Verkauf geeignet ist. Hersteller sind z.B. Mey und Mademoiselle ChiChi.
  • Banane/Abaca: aus Abfällen von Bananenplantagen, robust, reißfest, seewasserresistent, wird z.B. von Raffauf für wetterfeste Outdoorjacken eingesetzt.
  • Zellulose (Lyocell/Tencel, Modal, Bambus): wird in einem geschlossenen Produktionskreislauf ohne chemische Zusätze hergestellt, weich, angenehm auf der Haut, kühlend und saugfähig. Bambus ist darüber hinaus ein besonders schnell nachwachsender Rohstoffe und kann ohne Pestizide oder Dünger angebaut werden.
  • Alge/SeaCell: Wachsen ebenfalls rasant nach und sind reichhaltig vorhanden, damit besonders ressourcenschonend, sehr weiche und seidige Haptik, außerdem hautpflegend. Wird u.a. von Umasan, Seaweed Fashion und Speidel verarbeitet.
  • Hanf: anspruchslos und pestizidfrei im Anbau, als Faser saugfähig, mit hohem UV-Schutz und antistatisch.

Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung und hoffe sehr, dass diese und weitere neue Fasern bald ihr Dasein als Nischenprodukte aufgeben können. Habt ihr sie schon irgendwo gesichtet oder kennt ihr weitere Alternativen zu Baumwolle und Co.?

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