Zeug hält auf.

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Wenn ich an die Anfänge meiner minimalistischen Zeit zurückdenke, fällt mir ein gravierender Unterschied sofort auf: Ich bin viel mehr unterwegs. Es ist gut möglich, dass ich mich auch ohne den Wunsch, meinen Besitz zu verkleinern, in diese Richtung bewegt hätte, es entspricht aber auch frappierend exakt einem Vorsatz, den ich im Zusammenhang mit dem Ausmisten immer wieder erneuert habe: Machen statt Sachen. Menschen statt Zeug. Erleben statt konsumieren.

 

Dass sich das auch tatsächlich umsetzen lässt, hat zum einen ganz pragmatische Gründe – wer nicht shoppen geht, hat sowohl Zeit als auch Geld für andere Erlebnisse. Zum anderen hat sich auch einfach der Fokus verändert – Glück entspringt (für mich) eben doch eher dem gemeinsamen Grillabend als dem nächsten Kleidungsstück, Gadget oder sonstigen Schnickschnack.

 

Das vergangene Wochenende habe ich ausnahmsweise mal wieder am Wohnort verbracht und im Rückblick sehr zwiegespalten erlebt. Der Plan war: eine Grundreinigung des Zimmers (inkl. Fenster putzen und was man sonst so zum Frühjahrsputz macht), ein paar Angebote für Ebay vorbereiten und ein paar Klamotten reparieren. Passiert ist: eine Freundin kam übers Wochenende zu Besuch, wir waren am See, haben eine WG-Party geschmissen und den Sonntag mit süßem Nichtstun zwecks Erholung verbracht. Klingt nach einem gelungenen Wochenende, oder? Und trotzdem stritten sich am Ende 2 Seelen in meiner Brust: Mist, von den eigentlich geplanten Aktivitäten hast du gar nichts geschafft. – Aber eigentlich ist es doch bekloppt, sich darüber zu ärgern. – Ohne zu viel Zeug wäre das nicht passiert.

 

Keine Frage: es gibt Dinge, um die man sich (auch am Wochenende) kümmern muss. Wichtige Dinge wie Arztbesuche, sich eine Haftpflichtversicherung besorgen und darauf achten, dass mehr als ein Stück Zwieback im Haus ist. Sich den Kopf wegen überflüssiger Dinge zu zerbrechen oder sich vorzuwerfen, dass man es nicht getan hat, gehört meiner Meinung nach nicht unbedingt dazu. Und glücklicherweise bringt mich diese Erkenntnis wieder zurück an den Ausgangspunkt: Weniger ist mehr. Ich bin dann mal wieder eine Runde ausmisten 😉
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7 Antworten zu “Zeug hält auf.

  1. „Erleben statt konsumieren.“ Das kann ich genauso unterschreiben, das hat sich bei mir in den letzten Monaten/Jahren ebenfalls alles dahin verschoben. Was ich aber auch schön finde. Am Ende seines Lebens ist man sicherlich nicht stolz auf seine Schuhsammlung, sondern erinnert sich viel eher an die Menschen und Erlebnisse.

    Und vielen Dank für den Link zur „Machen statt Sachen“-Seite. Genau das sollte Thema eines (für die weite Zukunft geplanter) Blogbeitrag werden. So kann ich mir den Aufwand sparen und einfach diese wundervolle Seite verlinken und allen schicken. 😉
    Aktuelles Beispiel zu genau dem Thema: Ich habe meinem Vater, der Gesellschaftsspiele so gern mag, über die Jahre immer haufenweise davon geschenkt. Letzten Endes bleiben wir aber doch meistens bei den altbewährten Klassikern, mit manchen kann er leider sogar überhaupt nichts anfangen. Deshalb gibt es morgen zu seinem Geburtstag jetzt Eintrittskarten zu einer Lesung von Horst Evers in Berlin. Ein schönes Erlebnis für, an das er sicherlich viel lieber zurückdenkt und er muss sich nicht um Stauraumprobleme aufgrund zu vieler Brettspiele Gedanken machen. Win-Win. (Und ich habe jemanden, der mit mir zu Horst Evers geht, also irgendwie sogar Win-Win-Win). 😀

  2. Sehr schöner Beitrag … Erinnert mich mal wieder dran sich darauf zu besinnen was man wirklich braucht und was man nur haben will 😉 *danke* und weiter so 🙂 liebe Grüße Kerstin

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  5. Recht hast du, dass bei weniger Shopping dann Geld für mehr Erlebnisse bleibt und man sich auch gelebte Zeit „kauft“ 🙂

  6. Bei mir war tatsächlich eines der “Klick-Erlebnisse” als ich mit Anfang zwanzig während eines Praktikums einen Mitpraktikanten kennenlernte, der mir erzählte, dass er in jeden Semesterferien woanders Praktikum macht und das überhaupt kein Stress ist, weil alle seine Sachen in sein Auto passen. Da war ich irgendwie neidisch.
    Daran, dass wenig Besitz gleichzeitig auch mehr Freiheit bedeutet, hatte ich vorher irgendwie nie gedacht.

  7. Pingback: Der nächste Schritt. | von allem zu viel.·

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