Der nächste Schritt.

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Mir wird derzeit mehr als klar, was nicht nur von mir schon vielfach beschrieben (und hier sehr gut auf den Punkt gebracht) wurde: Minimalismus bzw. die Hinwendung zu einem einfacheren Leben ist ein Prozess. Einer, der für die allermeisten mit dem Ausmisten von Gegenständen, Listen und Verpflichtungen anfängt. Danach, so heißt es, kommt der leere Raum. Der Platz lässt für die Konzentration auf das Wesentliche und auf die Entstehung von etwas Neuen, was einem viel besser entspricht als der bisherige Konsumtrott.

Ich habe bislang genau diesen Weg beschritten – ich miste seit Anfang 2011 im Schnitt jeden Tag einen Gegenstand aus, ich habe meine Pläne und Vorhaben hinterfragt und mich auf die konzentriert, die mir am wichtigsten erschienen. Statt durch Einkaufszentren führten mich meine Schritte zunehmend mehr hin zu anderen Menschen, die mein Leben um einiges mehr bereichern als ein x-beliebiger Konsumartikel. Meine Ansprüche an letztere sind gestiegen, ich würde mich inzwischen als kritischen Konsumenten bezeichnen und gebe mein Geld fast ausschließlich für Miete, Lebensmittel, Transport und Unternehmungen aus.

Ich habe, indem ich mich auf das vorhandene beschränkt habe, vieles wiederentdeckt (ungelesene Bücher etc), womit der „leere Raum“ sich bereits wieder zu füllen begann. Hinzu kam der Schneeballeffekt durch die alten und neuen Freunde: plötzlich schossen Ideen wie Pilze aus dem Boden, was man noch alles gemeinsam machen könnte (wovon vieles zum Glück auch verwirklicht wurde). Oder jemand kennt jemanden, der neulich etwas Total tolles gemacht hat oder eine Veranstaltung oder ein Museum empfehlen kann oder noch eine Karte für das Konzert von XY übrig hat. Planerfüllung par excellence.

Der Knackpunkt ist jedoch: das Ganze ist kein inkrementeller Prozess, in dem folgende Stadien erst dadurch erreicht werden können, dass die vorhergehenden abgeschlossen wurden. Und so sitze ich jetzt hier mit einem Kopf voller Ideen und einem berstenden Terminkalender und würde am liebsten sofort wieder loslegen – wären da nicht immer noch die leidigen Besitztümer, die gefühlt immer noch zu zahlreich sind. Die einen immer wieder angucken, wenn man nach einer Reise mit leichtem Gepäck wiederkommt und sich fragt, was zur Hölle man damit eigentlich wollte.

Was ich daher suche, ist eine Möglichkeit, den Schritt des Reduzierens irgendwie voranzutreiben, ohne mich selbst allzu sehr in meinem Tatendrang zu beschränken. Einen Weg, die ganzen überflüssigen Dinge zu verkaufen, ohne mir deshalb einen sonnigen Tag am See versagen zu müssen. Eine Idee, wie ich zu mehr Luft komme, ohne sie ungenutzt verfliegen lassen zu müssen.

Hat jemand von euch vielleicht die zündende Eingebung, die dieses Dilemma auflösen kann?

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19 Antworten zu “Der nächste Schritt.

  1. Hi,
    bei mir hat das Reduzieren um die zwei Jahre gedauert. Ich habe viele Sachen über ebay-Kleinanzeigen verkauft. Das ist toll, weil die Leute die Sachen abholen, aber das fotografieren, Anzeigen einstellen … das dauert.
    Wegwerfen oder verschenken würde schneller gehen 😉
    Aber das wollte ich nicht, ich wollte wenigstens noch etwas Geld rauskriegen. Daher hab ich das Verkaufen als Nebenjob gesehen (mit flexiblen Arbeitszeiten).
    Das Gute daran ist, dass ich jetzt bei jeder Sache, die ich kaufe, überlege, wie schwer sie später wieder loszuwerden wäre oder wie nervig es wäre, sie bei einem Umzug mitzuschleppen.
    Wenn du mit dem Fingerschnippsen könntest und alles überflüssige wäre weg, wäre das ok für dich?
    Viele Grüße, Elin

    • Hallo Elin,
      mit dem Finger schnipsen und alles wäre weg, das wärs! Leider sehe ich es wie du – wenn es noch ein bisschen Geld dafür gibt, hätte ich das gerne auch 😉 Ansonsten wäre es vermutlich ziemlich einfach, alles loszuwerden, weil hier in der Straße eine Verschenkkiste neben der anderen steht. Die Sichtweise mit dem Nebenjob ist sicher nicht schlecht, leider ist der Stundenlohn manchmal nicht besonders hoch 😉

      • Ja, das mit dem Stundenlohn stimmt. Und der Sommer ist auch echt eine ungünstige Zeit, um auszumisten 😉
        Erlaub dir doch eine Sommerpause.
        Was mir bei den Kleinanzeigen geholfen hat war, alle Sachen, die ich loswerden wollte, im Wohnzimmer aufzubauen. Den Interessenten fiel dann oft noch etwas ins Auge, das sie dann auch noch gekauft haben.
        Genieß das Ausmisten! Ich hab aktuell kaum noch was, was ich loswerden könnte. Daher freu ich mich schon, wenn ich den Hausmüll mal rausbringen kann. 😉

  2. Zwei Gedanken:
    1) Stell Dir die Frage, ob Du das Geld, das Du mit dem Ausmisten/Verkaufen verdienen würdest, brauchst, und wenn ja, wofür. Vermutlich nicht für einen sonnigen Tag am See. 😉
    Für mich ist Verschenken eine Uebung in Großzügigkeit (siehe auch hier: http://bit.ly/1pr2WnJ) und hilft mir, dem niedrigen Stundenlohn im Nebenjob zu entkommen.
    2) Kannst Du Deine Ideen und Projekte wirklich nicht in Angriff nehmen, wenn Du noch (zuviele) Besitztümer hast, oder ist das eine Ausrede? Manchmal ist es der Perfektionismus, der uns zurückhält. Ich glaube, Du musst nicht ‘perfekt entrümpelt’ haben, bevor Du etwas Neues anfängst. Dein Denken hat sich bereits verändert. Vielleicht brauchst Du keinen ‘leeren Raum’ und hast schon ‘genug’ Platz für etwas Neues.

    • Liebe Frau L.,
      danke für deine hilfreichen Tips! Das Geld ist leider mehr als willkommen, auch wenn ich es leider im Anschluss der Deutschen Bahn in den Rachen werfen muss 😉 Ich bin aber schon konsequenter geworden und mache mir für 1-Euro-Auktionen nicht mehr die Mühe mit Ebay.

      Über den Perfektionismus muss ich nachdenken 😉 Es ist nicht so, als würde ich die neuen Ziele nicht angehen, aber die führen oft dazu, dass ich am Wochenende nicht da bin. Unter der Woche bin ich auch viel beschäftigt und so rennt dann irgendwann die Zeit weg, um sich um die „Reste“ zu kümmern. Das ist nicht dringend oder schlimm, aber es muss eben irgendwann (und am besten nicht iiiiiirgendwann) gemacht werden. Ich hoffe auf schlechtes Wetter 😉

      • Verstehe. Wenn Du hauptsächlich Kleinkram, Kleidung und Gedöns hast, wäre ein Flohmarkt vielleicht eine Alternative? Das ist zwar auch aufwändig, doch man kann eine soziale Aktivität daraus machen, indem Du Dich mit ein, zwei Feunden zusammen tust. Der Vorteil wäre, dass Du auch die ein,zwei Euro Dinge mit verkaufen könntest, wenn Du wolltest.

  3. Wenn das “plangemäße” Ausmisten zu viel Zeit stielt, würde ich es versuchen anders zu machen. Ich glaube, du setzt dich unter ziemlich viel Druck.
    Wie bereits meine Vorschreiberininnen geschrieben haben: Wenn sich das verkaufen wegen des zeitlichen Aspektes nicht lohnt, kann es effektiver sein, Sachen zu verschenken, sofern z.B. gemeinnützige Organisationen, Tauschläden usw. etwas damit anfangen können.
    Ich würde mich nicht als Minimalist bezeichnen – aber nicht nur physisches Entrümpeln ist wichtig. Auch Handlungen (in deinem Fall zum Beispiel Gegenstände aussortieren und verkaufen) können entrümpelt werden.
    Trotzdem ist es natürlich deine Entscheidung – das sind nur ein paar Gedanken dazu. 🙂

    • Liebe Stadtpflanze,
      auch dir herzlichen Dank für die Ideen! Ich werde mal recherchieren, ob es in meiner Nähe Tauschläden und Co gibt. Oft ist man ja zu festgefahren in seiner Denkart, da kann ein kleiner Schritt zur Seite bzw. in eine andere Richtung schon Wunder bewirken 🙂

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  5. Ich würde dir auch empfehlen nur noch Dinge zu verkaufen, die dir mindestens 5, eher 10 Euro einbringen. Für den Rest lohnt meiner Meinung nach der Aufwand einfach nicht. Ich selber verschenke sehr gerne, verkaufe nur teurere Dinge. Ich bin einfach zu ungeduldig und möchte die Dinge, die ich loslasse dann auch schnell weg haben.
    Und wenn du dann verkaufst, wirklich alle Aktionen bündeln, wie Fotos machen, Anzeigentexte schreiben, Inserieren. Jeden Schritt gleich für mehrere Artikel.
    Viel Glück und auch Spaß, denn das soll es ja vor allem machen, für die nächsten Entrümpelungen :-).

    • Danke, Michaela 🙂 Ich arbeite ausschließlich mit dem Turbolister, da lässt sich vieles vereinfachen. Aber Aufwand ist es natürlich trotzdem noch…

  6. Pingback: Gelassen vereinfachen – Minimalismus ohne Stress | liebevoller leben·

  7. Oh ich kenne das nur zu gut. Ich habe so viele Pläne, reiße so viele Baustellen gleichzeitig auf, dass ich von leerem Raum auch nicht sprechen kann, vorallem nicht in meinem Kopf. Lese daher sehr interessiert die Kommentare hier und freu mich darauf zu lesen, wie es dir ergeht.
    Liebe Grüße.

  8. Ich habe die Phasen auch durchlebt. Was mir geholfen hat: ich habe mir noch einmal Gedanken darüber gemacht, wofür ich all das mache, was ich erreichen wollte, und vor allem- was meine AKTUELLEN Prioritäten sind.
    Dabei kam manches mal heraus, dass ich eben mehr “quality time” haben möchte -also nicht Freizeit, die ich mit unangenehmen Tätigkeiten wie Putzen, Unkrautzupfen oder Dingebeiebayeinstellen verbringe. In diesen Phasen habe ich viel an wohltätige Organisationen gespendet. In anderen Phasen wiederum fand ich es ganz gut, Geld mit meinem Zeug zu machen und es hat mich nicht gestört, das bei Ebay zu listen, und dann habe ich das auch getan.
    Dazu macht man das doch alles mit dem Minimieren: damit der Krempel einen nicht davon abhält, das zu tun, was man viel lieber täte. Also ab an den See 😉

  9. Pingback: Der nächste Schritt, Teil 2. | von allem zu viel.·

  10. Was bei mir so richtig viel gebracht hat, war der Besuch einer Tauschparty. Ich bin auf einen Schlag sehr viel losgeworden (einen großen Koffer voll Sachen), aber hatte auch nicht das Gefühl, Verlust gemacht zu haben, da ich ja nicht mit leeren Händen nach Hause gegangen bin. Mein „Besitzgefühl“ hat es auch sehr verändert, ich hatte danach viel weniger Schwierigkeiten, Dinge loszulassen.

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