Stichwort: Selbermachen.

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Kürzlich las ich einen Artikel über Portlands Maker-Bewegung (Lust auf Zukunft offensichtlich auch). Die netten portraitierten Selbermacher waren mir als altem Bastelkind sofort sympathisch, und mal davon abgesehen, dass ich jetzt auf jeden Fall mal irgendwann nach Portland reisen muss, bekam ich direkt Lust, auch mal wieder etwas zu produzieren (offensichtlich bin ich darüber hinaus auch noch ein Vertreter der Generation Rettich). Doch dann musste ich direkt innehalten und mich fragen, ob sich das nicht mit meinem Minimalismus-Ziel beißt.  Ich finde außerdem nichts schlimmer als „putzige“ selbstgemachte Dinge, die weder einen Zweck erfüllen noch schön sind (vorzugsweise als Weihnachtsgeschenke, so dass man sich auch noch notgedrungen darüber freuen muss, schließlich hat sich der andere ja Mühe gegeben). Und so entspannend ich stricken und Co auch finde: wenn ich keine Verwendung für den entstehenden Gegenstand habe, lasse ich es lieber sein. Handwerkeln als Selbstzweck und „irgendwann überlege ich mir dann, was ich mit dem Ergebnis mache“ kommt also nicht in Frage.

Um das Ganze etwas aufzudröseln, überlegte ich mir Gründe, die fürs Selbermachen sprechen:

  • aus Neugier/um etwas Neues zu erleben: Wie werden Dinge gemacht (z.B. Tahini, Halawa)?
  • weil es kein passendes Produkt zu kaufen gibt (z.B. passende Möbel für kleine Räume)
  • aus Kostengründen (Kochen statt essen gehen oder Fertiggerichte)
  • weil es selbstgemacht besser ist/schmeckt/bessere Inhaltsstoffe hat (Kosmetik, Kuchen, Lebensmittel generell)
  • aus Freude daran, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, das man hinterher verwenden kann (sind diese Häkelnadeln nicht absolut phantastisch? <3)
  • aus Spaß an der Tätigkeit selbst (wie schon erwähnt: stricken)
  • weil man ein Unikat besitzen möchte (Kleidung, Möbel, Schmuck)
  • zum Verkaufen (Dawanda)
  • zum Verschenken (Weihnachten naht!)

Das klang alles schon deutlich plausibler. Und trotzdem war mir klar: Ich habe zur Zeit nicht die Kapazitäten dafür. Ich nähe immer mal wieder Kleinigkeiten, verschenke Fotoalben und Co und habe eine Vielzahl angefangener oder zumindest geplanter Projekte. Aber ich kann mich nicht entspannt darauf einlassen, so lange hier z.B. noch Klappkisten voller Gegenständen stehen, die ich verkaufen will. So lange ich noch das Gefühl habe, noch viel zu viel zu besitzen.  So lange mir andere Themen deutlich mehr unter den Nägeln brennen. Und so ist dieses Themenfeld wohl auch wieder ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg, der zum Teil noch vor mir liegt: zuerst Dinge loswerden, das Vorhandene nutzen und aufbrauchen, dann die gewonnenen Freiräume (und ggf. das Geld, was sich bis dahin angespart hat) für neue Wege nutzen. Z.B. irgendwann die abgenutzten Möbelstücke durch Eigenes ersetzen. Ggf. Workshops besuchen und die Techniken erlernen, damit das Ergebnis auch stimmt. Upcycling statt neu kaufen. Das alles hat natürlich große Überschneidungen mit Zero Waste oder Plastic-free living, wodurch auch diese Themen plötzlich in meinen Fokus rückten (bisher beschränkte sich das darauf, beim Einkaufen grundsätzlich keine Plastiktüte anzunehmen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist). Ich schätze, ihr hört diesbezüglich noch von mir 😉

Was macht ihr selber? Was würdet ihr gerne können? Und was macht ihr hinterher damit? 😉

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4 Antworten zu “Stichwort: Selbermachen.

  1. Ich probiere mittlerweile viel aus, aber auch nur dann, wenn ich etwas nützlich finde oder es sonstwie gebrauchen kann. Und wenn es nicht zuuu viel Arbeit ist und meinen Geldbeutel nicht sprengt. Ich mache z.B. meinen Schmuck gerne selbst. Das sind dann Unikate, die sonst keiner hat. Außerdem sind das Geschenke, über die sich andere – sofern sie Schmuck tragen und der Schmuck zu ihnen passt – ehrlich freuen. Auch nähe ich mittlerweile – aber auch nur Dinge, die ich wirklich gebrauchen kann oder haben möchte, wie z.B. ein Utensilo für Fernbedienungen oder einen eigenen Adventskalender. Mit Handytaschen, Schlüsselbändern und Co. kann ich dagegen nichts anfangen, deswegen nähe ich sie auch nicht (warum auch? würde dann ja nur rumfliegen 😉 ). Auch beim sonstigen Basteln ist es oft: “Was brauche ich?”, so habe ich mir z.B. eine Stiftebox aus Klopapierrollen gebastelt oder ein kleines Pappaufbewahrungsregal für den Schreibtisch, das besser zu meinen Wünschen passt als Fertigregale, die ich kaufen kann. Meine selbstgemachen Sachen verwende ich oft also selbst, nachdem ich sie fertig habe. Oder ich verschenke sie, wenn sie tatsächlich von jemand anderem gewünscht sind (wie der oben erwähnte Schmuck).
    lg Vanessa

  2. Zero-Waste und Plastic-Free – ach all die coolen Namen. Als ich ein Kind war, da kamen Milch und Saft aus der Glaspfandflasche. Mülltrennung gab es zwar keine und auch keinen Ökostrom, aber trotzdem war mein Leben rückblickend wohl mehr Öko als heute. Also ein Retrotrend zu den 80ern, das ist schon irgendwie krass, das ist ja noch keine 40 Jahre her. Das hört sich nun nach Altwerden an. Aber eigentlich fällt mir nur zunehmend auf, dass wir unterwegs was Gutes verloren haben, das wir nun mit coolen englischen Namen wieder hip machen müssen.
    Natürlich wurde im Elternhaus vieles selber gemacht. Das war selbstverständlich und ist mir ins Blut übergegangen und ich bin dankbar dafür. So reicht mein heutiges Selbermachen von Möbeln bis hin zu Embedded Devices. Als verkopfter Akademiker freue ich mich immer, wenn ich was Praktisches machen kann, was mit den Händen (er)schaffen, das man anfassen und benutzen kann.

  3. Pingback: Querverweise (13) - Zwei·

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