Gelesen: Die Endzwanziger-Krise

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Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das nur im weiteren Sinne mit Minimalismus zu tun hat: Der Endzwanziger-Krise. Die Autorin beschreibt das Gefühl der Zerrissenheit derjenigen, die jetzt oder demnächst an der 30 kratzen. Zwischen den vielen Möglichkeiten, die einem in dieser Lebensphase offenstehen  – von Familie gründen und einem geregelten Job nachgehen bis hin zum völligen Neuanfang mit Weltreise und Beziehungsexperimenten – entsteht bei ihr und, wenn man den Kommentaren Glauben schenken darf, auch bei vielen anderen Altersgenossen eine große Ratlosigkeit gepaart mit Überforderung und der leisen Ahnung, dass man sich früher doch ausgemalt hat, in diesem Alter schon viel weiter zu sein.

Mich hat der Artikel eine ganze Weile beschäftigt, auch wenn ich mich teilweise sehr, teilweise aber auch gar nicht angesprochen fühlte – zwar wollte ich eigentlich auch schon viel weiter sein (das ist aber meiner altersunabhängigen Ungeduld geschuldet), habe aber zumindest einen halbwegs konkreten Plan, wie es zum angestrebten Zustand geht. Und wenn ich mir meine umtriebigen Eltern ansehe (meine Mutter ist z.B. mit 50 ihren ersten Marathon gelaufen und fährt jetzt mit über 60 mit einer Bekannten, die sie genau zu diesem Zweck kennengelernt hat, mit dem Rucksack durch Myanmar), habe ich zumindest nicht den Eindruck, dass mein Leben morgen vorbei ist, wie es manche Leser formulieren.

Darüber hinaus bin ich mir durchaus bewusst, dass mein Leben derzeit sehr in Bewegung ist. Meine Beziehung ist gerade mal 1,5 Jahre jung, ich kann nicht sagen, wo ich in einem Jahr sein werde (ich hätte da aber ein paar gute Vorschläge :)) und die große Jobsuche (für den einen, richtig guten) steht auch ins Haus. An diesem Punkt könnte jetzt die große Panik ausbrechen – oder auch nicht 🙂 Genau wie beim persönlichen Besitz oder der Wahl der Hobbys geht es doch auch bei den großen Lebensentscheidungen letzten Endes „nur“ darum, ganz minimalistisch die auszuwählen, die einen ansprechen und glücklich machen. Und wenn sie das nicht mehr tun – kein Problem, es gibt ja noch genug Alternativen. Der ein oder andere wird das jetzt substanzlos und opportunistisch finden. Ok. Ich glaube auch eher, dass langfristiges Glück auf langfristigen Beziehungen, Projekten und Themen fußt. Deshalb ist es ja auch so wichtig, in sich hineinzuhören, und etwas über seine wichtigsten Motive zu lernen.

Unterm Strich heißt das zur Bewältigung der Endzwanzigerkrise: Probiert euch aus, hört auf euer Herz. Wenn euch etwas nicht mehr glücklich macht, probiert etwas anderes. Aber flüchtet euch nicht nur feedbacklos ins nächste Abenteuer, sondern haltet auch mal inne, zieht ein Fazit und bewegt euch dadurch weiter in Richtung Ziel. Und keine Panik, das Leben ist noch lang genug für sinnstiftend verbrachte Stunden 🙂

Ihr Endzwanziger da draußen, wie seht ihr das? Und ihr Jenseitsderdreißiger, ist das vielleicht im Nachhinein betrachtet alles halb so wild?

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4 Antworten zu “Gelesen: Die Endzwanziger-Krise

  1. Also ich finde meine Endzwanziger besser als meine Mittzwanziger. Jetzt hab ich schon seit einiger Zeit mein Studium hinter mir, hab ein paar Jobs gemacht und mit ein bisschen Erfahrung geht alles irgendwie leichter. Man ist gelassener als noch vor 10 Jahren, so direkt nach dem Abi als man noch nichts konnte. Und Reisen geht wunderbar – nur nicht warten damit, denn so leicht wie jetzt wirds nie wieder.

  2. Ich bin ja nun schon eine Weile nicht mehr Ende zwanzig, fühle mich aber doch irgendwie noch so wie beschrieben. Es ist eine gewisse Ratlosigkeit. Die Elterngeneration weiß uns nicht zu helfen; die Welt hat sich verändert. Irgendwann hat man ihn dann, den unbefristeten Arbeitsvertrag, nur um festzustellen, dass zwar der Vertrag sicher ist, es aber viel weniger grundsolide Firmen als früher gibt. Das Internet und das Fernsehen blinkt und blitzt, alles ist bunt und endlos geil und viel, aber kaum etwas davon taugt zum Festhalten. Karrieremagazine lügen, jeder könne es schaffen – wir erinnern uns an die Mathe aus der Schule: die Spitze einer Pyramide ist ein Punkt, keine Fläche, dort ist nur Platz für eine(n). Von unten droht die Hartz4-Schikane und jeder kennt jemanden, der nach dem Studium zunächst dort gelandet ist und vom Leiden berichten kann.
    Mit 34 denke ich heute: Was fehlt, ist ein gelassener Umgang mit der allgegenwärtigen Unsicherheit. Doch wo soll der herkommen, wenn man ihn nicht gelernt hat. Doch wo es wenig zum Festhalten gibt, führt stärkeres Zupacken nur zu Verkrampfungen.
    Familien werden nun gerne gegründet: Wer kann, versucht damit, seine eigene Burg zu bauen. Wem der Partner fehlt, dem bringt die neoliberale Selbst-Schuld-Kultur hier überhaupt nichts außer Frust.
    Eigentlich ist das Leben top – aber wer weiß schon, wann es floppt. Das könnte jederzeit passieren. Je nach persönlicher Einstellung und Veranlagung überwiegt das Gefühl der Freiheit oder das Gefühl des Verlorenseins.
    Als ich 30 war, habe ich dazu diesen Text geschrieben: http://zwei.drni.de/archives/1019-Abgefuckte-Abgeklaertheit.html

  3. Ich glaube nicht an die große Krise.
    Die im Artikel beschriebene Gedanken (War’s das jetzt? Schlafe ich nur noch mit diesem einen Mann? Arbeite ich ab jetzt nur noch?) kann ich nicht ernst nehmen.
    Ja, das war’s jetzt. Heirate bitte spätestens jetzt den Erstbesten, der dabei mitmacht, damit du nicht als alte Jungfer endest. Behalte den ersten Job, der kein unbezahltes Praktikum ist – und wenn du von 9-5 am Kopierer stehst. Du bist fast 30, das Leben ist vorbei.
    Wo sind wir denn hier bitte? Wir sind die Generation derer, die alle Möglichkeiten haben. Gepampert von unseren Eltern bis zum gehtnichtmehr können wir ohne sozialen Druck noch während des Studiums durch die Weltgeschichte gondeln, wenn uns das gefällt. Heiraten oder monogame Beziehungen führen müssen wir gar nicht mehr und Arbeit? Naja, entweder erklären wir hedonistisch, dass der Job sowieso nur dazu dient unsere exklusiven Hobbys und Reisen zu finanzieren oder wir grünen ein Start Up.
    Wer vor 30 Jahren mit Ende 20 noch nicht wusste, was mal aus ihm werden soll, der durfte eine handfeste Krise haben.
    Wer heute mit Ende 20 noch planlos vor sich hindümpelt, hat auf jeder Party ein Gesprächsthema, zu dem er kokett die Schultern zucken kann.
    Der einzige Punkt, in dem ich dem Artikel zustimme ist, dass man einfach mal den Mut haben muss, zu dem zu stehen, was man macht. Wer beschließt mit Ende 20 seinen inneren Spießer zu kultivieren (Reihenhaus, Golden Retriever, Kinderwagen), soll doch bitte dazu stehen. Wer mit Ende 20 noch mal schnell die Welt umsegeln will: Nur zu. Gute Reise und schickt mir ein paar Bilder.
    Wo ist denn hier eine Krise?

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