Wenn Minimalismus und Nachhaltigkeit zu komplex werden

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Neulich fiel mir auf, dass ich momentan selten hier bin. Auf der Suche nach Ursachen kam ich zum scheinbar paradoxen Fazit: mir wird der Bereich Minimalismus gerade etwas zu komplex. Um das etwas verständlicher zu machen, genügt ein Blick auf die gängigste Forderung dieses Themas: weg mit dem Unnötigen, um Freiraum für das zu schaffen, was uns wichtig ist. Nach mehreren Jahren des permanenten Ausmistens und Reduzierens komme ich zunehmend besser in diesen Handlungsmodus, was sich in zahllosen Reisen, Unternehmungen und Begegnungen äußert. Blöd nur, wenn dann zu Hause doch wieder eine Liste darauf wartet, dass man täglich etwas Aussortiertes einträgt. Das Internet suggeriert, dass man sich noch viel tiefergehend mit den Themen Minimalismus und Nachhaltigkeit beschäftigen könnte und es ja bei Weitem nicht damit getan ist, einfach nur mal eine Verschenkkiste rauszustellen. Dass die ersten Projekte schon wieder eine Kehrtwendung machen und/oder einen Blick auf Minimalismus 2.0 freigeben. Vieles ist zum Glück inzwischen Routine geworden, dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass man auch mit dem Thema Minimalismus jede Menge Zeit verbringen kann. Spätestens an dem Punkt, an dem sich das Ganze eher wie eine Zwangsjacke als wie ein Hobby oder eine Lebenseinstellung anfühlt, ist der Moment zum Innehalten und Korrigieren gekommen.

Keine Sorge, ich bin weiterhin online. Und neugierig. Aber ich werde bei jedem weiteren Post kritischer hinterfragen, ob der Mehrgewinn wirklich vorhanden ist, und stärker selektieren. Ich muss nicht jede x-beliebige Idee der Sharing Economy vorstellen. Mitfahrmöglichkeiten, Giveboxen, Tauschplattformen, ihr kennt das alles. Dass es das alles auch als fancy App gibt – geschenkt. Und vielleicht will ich irgendwann wirklich mal konsequent plastikfrei und selbstgemacht leben, aber eben noch nicht jetzt. Ich werde weiter alles (für mich) Offensichtliche rauswerfen, aber ich will mir auch einfach mal ein paar (aus minimalistischer Hinsicht vermutlich) überflüssige Schuhe kaufen können, ohne zu überlegen, ob das jetzt wirklich sein muss und was ich stattdessen entsorge. Ich will nicht dauernd darüber nachdenken, was ich mit dem vorhandenen Material (z.B. Papier und Bastelmaterial) am sinnvollsten anstelle, damit es möglichst schnell weg ist. Stattdessen vertraue ich darauf, dass dafür irgendwann eine Idee entsteht, die mich plötzlich wie wild ausschneiden, backen oder tüfteln lässt. Und das kommt dem Ausgangsgedanken dann doch wieder ziemlich nahe.

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2 Antworten zu “Wenn Minimalismus und Nachhaltigkeit zu komplex werden

  1. Hallo Anna,
    wenn etwas zu viel wird, fühlt es sich schnell nicht mehr gut für uns an. Das gilt für Schokolade ebenso wie für Minimalismus. Das richtige Maß zu finden, gilt seit jeher als Tugend, auch wenn wir Menschen daran immer wieder scheitern.
    In erster Linie sollte es sich richtig für dich anfühlen. Was die anderen denken, ist egal. Jede Gewohnheit und Lebenseinstellung soll für dich arbeiten, nicht umgekehrt.
    Also mach dir keine Sorgen. 🙂
    Lieber Gruß,
    Philipp

  2. Hat dies auf kinderlieb rebloggt und kommentierte:
    Das sehe ich auch so, jeder muss das Thema auf sein eigenes Leben anpassen. Für mich ist Minimalismus, das loszulassen was ich nicht benutze oder brauche es aber dennoch aufbewahre. Mir wächst die Menge an Dingen über den Kopf. Ich möchte das aber nicht radikal oder gar religiös umsetzen.

    Solche Gedanken haben mich auch belastet als ich Vegetarier war oder auch als ich noch gläubig war. Ständig die Fragen im Kopf … darf ich das? Ist es richtig? Wie kann ich mich optimieren? Die Gedanken kreisten nur darum, ich konnte keinen Schritt machen ohne nachzudenken oder abzuwegen. Ständig von allen Seiten Einschränkungen und Widerstände … so wollte ich mein Leben nicht weiter leben und ich habe daraufhin mein Leben komplett verändert.

    Genieße dein Leben und lass auch mal locker. Das Leben ist zu schön und zu kurz um ständig zu grübeln, sich Vorwürfe zu machen oder ein schlechtes Gewissen zu haben. Mache es so wie du dich dabei wohl füllst und zwänge dich nicht in eine Rolle die nicht zu dir passt.

    Ich lerne in den letzten Jahren, viele Dinge an mir zu akzeptieren und diese Eigenschaften von mir nicht vor anderen zu verstecken. Siehe da die Leute akzeptieren mich so wie ich bin und ich muss mich nicht verstellen. Hoffentlich gelingt es mir in den nächsten Jahren mich noch weiter zu öffnen und mich nicht zu verstellen. 😉

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